Rubrik: Wissen
Chancen & Risiken von Optionen, aus Sicht des Käufers und Verkäufers
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(Bild: Pixabay, Author: AP-Berlin. Bild wurde weiter bearbeitet.)
Das Wichtigste in Kürze
In diesem Beitrag werden die Chancen und Risiken jeweils aus Sicht des Optionskäufers und -verkäufers (auch Stillhalter genannt) näher erläutert. Falls du noch einmal nachlesen möchtest, was Optionen sind und wie sie funktionieren, findest du den entsprechenden Beitrag hier. Wie der Stillhalter seine Chancen effektiv nutzen und Risiken kontrollieren kann, erfährst du im nächsten Beitrag.
Wie immer zunächst das Wichtigste in Kürze:
- Für den Optionskäufer sind im Vergleich zum Aktienkäufer der geringe Kapitaleinsatz, ein hoher Hebel mit teilweise theoretisch unbegrenzten Gewinnen, und klar begrenzte Verlustrisiken klare Vorteile. Allerdings bedarf es einer erprobten Tradingstrategie, um dauerhaft profitabel zu handeln, da die statistische Gewinnrate niedrig ist.
- Der Stillhalter ist wie die Bank im Casino. Er hat statistisch die höhere Gewinnchance auf seiner Seite, auch wenn er theoretisch ein teilweise unbegrenztes Risiko hat. Jedoch kann er bei Einhaltung einfacher Regeln zur Risikobegrenzung systematisch profitabel handeln und ein monatliches Einkommen erzielen.
- Welche Optionsstrategie man verfolgt hängt primär von den eigenen Zielen, Fähigkeiten und Risikoaspekten ab. Für Buy & Hold Aktienanleger, die ohne zusätzliches Risiko regelmäßiges Einkommen aus Optionen erzielen wollen, bieten sich Cashflow-orientierte Stillhalterstrategien wie Cashflow mit Optionen an.
Chancen & Risiken für den Optionskäufer
Der Käufer einer Option profitiert im Verhältnis zum Aktienkäufer vom:
- reduzierten Kapitalbedarf
- Hebeleffekt für höhere Renditen
- begrenzten Maximalverlust
Im unten abgebildeten Beispiel genügt dem Optionskäufer der Einsatz einer Prämie von $300, um bei einer Wertsteigerung der Apple-Aktie um 10% ganze $900 zu verdienen, was einer Rendite von 300% entspricht. Dabei muss der Aktienkäufer ganze $12.000 Kapital aufwenden, um $1.200 Gewinn zu erzielen (=10% Rendite). Dieser Hebeleffekt ergibt sich durch einen auf die Prämie begrenzten Kapitaleinsatz, durch den der Optionskäufer dennoch 1:1 von der Wertsteigerung der Aktie profitieren kann (abzgl. der Prämie).
Natürlich funktioniert das Ganze auch mit Put-Optionen, wodurch der Optionskäufer auch bei fallenden Kursen gehebelte Gewinne erzielen kann.
Der Maximalverlust ist von vornherein bekannt und auf das eingesetzte Kapital, d.h. die Prämie, beschränkt. Im Vergleich zum Aktienkäufer ist das Risiko des Optionskäufers daher auch bedeutend geringer, zumindest absolut betrachtet.
(Bild: eigene Darstellung)
Die hohe Renditechance und das begrenzte Kapitalrisiko klingen erst einmal sehr verlockend. Aber schauen wir uns nun einmal die Kehrseite für den Optionskäufer an.
Die Hauptrisiken des Optionskäufers sind:
- Totalverlust des eingesetzten Kapitals
- statistisch geringe Gewinnrate
- Zeitwertverlust
Während das absolute Verlustrisiko aufgrund des niedrigeren Kapitaleinsatzes ebenfalls geringer ist, schlägt prozentual gesehen der Hebeleffekt zu: während der Aktionär bei einem 10% Sturz der Apple-Aktie $1.200 = 10% seines eingesetzten Kapitals einbüßt, verliert der Optionsverkäufer 100% seines eingesetzten Kapitals – und zwar sogar, wenn der Apple-Kurs unverändert bleibt (wir nehmen hier an, dass er die Option nicht vorzeitig wieder verkauft).
Außerdem ist nicht nur das Gewinn-Verlust-Verhältnis wichtig, sondern auch die Gewinnwahrscheinlichkeit. Schließlich bringt es wenig, wenn der Verlust pro Trade begrenzt ist, man aber so oft verliert, dass man am Ende trotzdem im Minus steht. Laut einer Studie der Chicago Mercantile Exchange (CME) verfallen ca. 76% der Optionen wertlos1 – vereinfacht gesagt liegt damit die durchschnittliche Gewinnrate aus Optionskäufersicht bei ca. 1 zu 4 .
Das liegt mitunter daran, dass dem Optionskäufer buchstäblich die Zeit davon rennt: er ist darauf angewiesen, dass die von ihm erwartete Kursbewegung innerhalb der Optionslaufzeit stattfindet. In der Zwischenzeit verliert seine Option stetig einen Teil ihres Wertes (der sogenannte Zeitwertverlust).
Natürlich gibt es durchaus Trading-Strategien, welche zu einer ausgewogeneren Bilanz von Gewinnen und Verlusten führen können. Gepaart mit einem positiven Gewinn-Verlust-Verhältnis (z.B., man verdient im Gewinnfall doppelt so viel, als man im Verlustfall verliert) lässt sich auch mit dem Optionskauf dauerhaft Geld verdienen.
Die Grundvoraussetzungen dafür sind (1) eine erfolgreiche Trading-Strategie (mit einer erwiesenen erhöhten Gewinnwahrscheinlichkeit) und (2) eine konsequente Umsetzung dieser Strategie. Die meisten scheitern bereits am ersten Punkt, und falls nicht, dann spätestens am zweiten. Sucht man im Internet nach Statistiken, welcher Anteil der Trader dauerhaft Geld verdienen, findet man Schätzungen meist im Bereich von 5-10%.
Chancen & Risiken für den Optionsverkäufer (Stillhalter)
Der Stillhalter einer Option genießt folgende Vorteile:
- reduzierter Kapitalbedarf & Hebeleffekt (Strategieabhängig)
- statistisch hohe Gewinnrate
- sofortiger positiver Cashflow
Der Kapitalbedarf eines Stillhalters hängt maßgeblich von der Strategie ab, ist aber auch i.d.R. geringer als der eines Aktienhändlers. Der Einsatz der sogenannten „Margin“ führt zu einem Hebeleffekt. Sie hat zufolge, dass ein Stillhalter z.B. beim Verkauf eines Puts nur einen Bruchteil des erforderlichen Kapitals für den Kauf der entsprechenden Aktien auf dem Konto halten muss – oft sind es nur 20% zzgl. der erhaltenen Prämie. So könnten beispielsweise 5 Puts mit Basispreis $100 geschrieben werden (was einem Kapitalbetrag von 5 x 100 x $100 = $50‘000 entspricht), selbst wenn z.B. nur $10‘000 Kapital auf dem Konto bereitstehen. Dabei gilt wie immer: je höher der Hebel, desto höher das Risiko.
Risikoärmere Strategien wie auch Cashflow mit Optionen zählen zu den verhältnismäßig kapitalintensiveren. Viele Stillhalterstrategien zielen darauf ab, möglichst ohne große bzw. langfristige Kapitalbindung Cashflow über Prämien zu generieren, und sich dabei die statistisch hohe Gewinnwahrscheinlichkeit zunutze zu machen, um langfristig profitabel zu handeln. Dass 3 von 4 Optionen wertlos verfallen entspricht in etwa einer Gewinnrate von 75% für den Stillhalter.
Aber warum gewinnt der Stillhalter überhaupt so oft?
Der Stillhalter gewinnt in Seitwärtsphasen (ebenso wie die Bank beim Roulette bei „Null“ gewinnt). Eine Aktie kann sich über einen gegebenen Zeitraum nach oben, nach unten, oder kaum bewegen. Sowohl Aktientrader als auch der Optionskäufer müssen sich zum Gewinnen für die richtige Seite entscheiden: hoch oder runter? Während sich der Stillhalter zwar auch auf eine Richtung festlegt, gewinnt er ebenfalls, wenn sich die Aktie wenig bewegt. Damit gewinnt er als einziger in 2 von 3 Fällen – ein klarer Vorteil!
Der Stillhalter hat die Zeit auf seiner Seite. „Was dem Käufers Leid ist des Verkäufers Freud“: mit jedem Tag der vergeht, an welchem sich die Aktie nicht ihrem Kursziel nähert, verliert die Option an Zeitwert und beschert dem Stillhalter Gewinn.
Ein weiterer Vorteil des Stillhalters ist, dass er sofort bei Verkauf der Option die Prämie auf sein Konto ausbezahlt bekommt. Diese darf er auch in jedem Fall behalten: sofern er seine Option nicht zurückkauft, entspricht sie am Ende der Optionslaufzeit seinem Gewinn aus dem Optionsgeschäft (abzgl. Transaktionskosten).

(Bild: Pixabay, Author: Peggy & Marco. Bild wurde weiter bearbeitet.)
Die hohe Gewinnchance ist definitiv ein großes Plus. Aber welchen Risiken muss sich der Stillhalter dafür aussetzen?
Die wesentlichen Risiken des Stillhalters sind:
- Hohes (teilweise „unbegrenztes“) Verlustrisiko
- Begrenzter Gewinn
- Mögliche Opportunitätskosten
Abschreckend wirkt zunächst das hohe oder gar theoretisch unbegrenzte Verlustrisiko.
Beim Put beläuft sich das Verlustrisiko mathematisch auf den Wert der 100 Aktien zum Basispreis, abzüglich der erhaltenen Prämie. Dieses Risiko kennt jeder Aktienanleger: geht das Unternehmen Pleite, in das man investiert hat, führt das zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Wie beim Aktienkauf gibt es auch hier verschiedene Wege, sein Risiko bewusst und gezielt zu begrenzen.
Beim Call wäre das „Worst Case“ Szenario sogar noch dramatischer – denn das Verlustrisiko könnte theoretisch unbegrenzt sein. Dazu müsste man allerdings ohne Absicherung einen Call auf eine Aktie verkaufen, die während der Optionslaufzeit „ins Unendliche“ ansteigt. Letzteres ist sehr unwahrscheinlich, und vorallem gibt es genügend einfache Wege, sich abzusichern (z.B. mit einem Covered Call).
Meiner Ansicht nach sind daher Warnungen vor „unbegrenzten“ Verlusten für Optionsstillhalter ein valider Hinweis für den Haftungsausschluss, denn ja – theoretisch ist alles möglich. Jedoch ist es einfach, sich vor hohen Verlusten zu schützen.
Ein weiterer Nachteil ist, dass die Gewinnchance des Stillhalters auf die erhaltene Prämie begrenzt ist. Egal wie sich die Aktie während der Laufzeit bewegt: aus dem Optionsgeschäft kann der Stillhalter nicht mehr als die eingangs erhaltene Prämie verdienen. Je nach Laufzeit und Strike Preis ist diese Prämie absolut betrachtet oftmals gering im Verhältnis dazu, wie viel man mit einer Long oder Short Position bei entsprechend vorteilhafter Kursentwicklung verdienen könnte. Prozentual gesehen lassen sich jedoch sehr attraktive Jahresrenditen aus Prämien erzielen. Wie sich mit Cashflow-Strategien wie Cashflow mit Optionen zweistellige Renditen erzielen lassen, erfährst du in der Rubrik Strategie.
Ein Nebeneffekt der Gewinnbegrenzung auf die Prämie sind Opportunitätskosten, insbesondere dann, wenn sich die zugrundeliegende Aktie stark bewegt. Schießt der Aktienkurs beispielsweise nach oben, kassiert man beim Put zwar schnell (fast) den vollen Gewinn (d.h. die Prämie), hätte aber mit dem direkten Kauf der Aktie mehr verdient. Hält man die Aktien im Depot, und hat einen Covered Call geschrieben, dann läuft die Option bei starkem Kursanstieg ins Geld (d.h. der Aktienkurs steigt über den Strike), so dass man seine Aktien (spätestens) bei Verfall unter Marktpreis verkaufen muss. Vorausgesetzt der Strike-Preis des Calls entspricht dem Aktienkaufpreis (oder höher), macht man zwar einen Gewinn (Prämie + Kursdifferenz zwischen Call-Strike und Aktienkaufpreis), aber dieser ist geringer, als hätte man die Aktie nur Long gehalten (ohne Call-Option).
Fazit: ist es besser Optionen zu kaufen oder zu verkaufen?
Natürlich gibt es auf diese Frage keine eindeutige Antwort: es kommt darauf an. Eine ähnliche Frage ist, ob Aktien-Trading besser ist als Buy & Hold, und das hängt bekanntlich davon ab, welche Ziele man verfolgt, welche Fähigkeiten man mitbringt, und welche Risikobereitschaft man hat.
Schauen wir uns einmal die wesentlichen Unterschiede zwischen Trading, also dem kurzfristigen Kaufen und Verkaufen von Aktien, und Buy & Hold, also dem langfristig (i.d.R. mehr als fünf Jahre) orientierten Kaufen von Aktien, an.
(Bild: eigene Tabelle)
Zurück zur Frage, ob es besser ist, Optionen zu kaufen oder zu verkaufen. Es gibt unzählige Optionsstrategien, wobei viele auch auf Kombinationen von Käufen und Verkäufen von Optionen basieren. An dieser Stelle möchte ich kurz auf drei Arten von Optionsstrategien eingehen: Options-Trading, Stillhalterstrategien und Hedging-Strategien.
Beim Options-Trading steht der Kauf von Optionen im Vordergrund, wobei einzelne Strategien auch Verkäufe von Optionen (z.B. zur Absicherung) beinhalten. Die Aktie spielt aus fundamentaler Sicht eine nebensächliche Rolle, vielmehr möchte man von kurzfristigen Kursbewegung gehebelt profitieren, und dabei das Verlustrisiko begrenzen. Dieser Ansatz ähnelt dem Aktien-Trading in vielerlei Hinsicht, insbesondere in Bezug darauf, dass man eine erprobte Trading-Strategie braucht, die festlegt, wann man in einen Trade reingeht (Entry Signal) und wann wieder raus (Take-Profit und Stop-Loss). Daraus ergeben sich unweigerlich Winning Trades und Losing Trades, wobei es darauf ankommt, dass Winning Trades in ihrer Anzahl und/oder ihrem Wert überwiegend.
Stillhalterstrategien hingegen beruhen vorwiegend auf dem Verkauf von Optionen, und sind häufig auf regelmäßige Cashflows durch Prämien fokussiert. Oftmals ist der Besitz von Aktien ebenfalls Teil der Strategie ist (wie beispielsweise bei Cashflow mit Optionen), weshalb es ähnlich wie beim Buy & Hold von großer Bedeutung, die „richtigen“ Aktien zu wählen. Dafür ist es weniger entscheidend, die kurzfristigen Kursbewegung immer genau vorherzusagen – wie wir wissen gewinnt der Stillhalter unter anderem ja auch dann, wenn sich der Kurs kaum bewegt.
Darüber hinaus gibt es auch Options-Strategien, die dazu dienen, Aktien-Positionen abzusichern. Hedge-Funds und andere professionelle Investoren nutzen sie als Tool, um ihr Portfoliorisiko zu begrenzen. So kann man, wenn man einen Kurseinbruch befürchtet, anstelle eines Stop-Loss beispielsweise einen Put kaufen, um zu einem definierten Preis und einem definierten Zeitpunkt in der Zukunft seine Aktien verkaufen zu können. Neben der reinen Kursabsicherung hat man so auch ein Finanzinstrument im Portfolio, dessen Wert steigt, wenn der Aktienkurs sinkt, was vor massiven Wertschwankungen schützt (engl. „hedge“).
Fazit: ob man Optionen primär kaufen oder verkaufen sollte, hängt von den eigenen Zielen, Fähigkeiten und Risikoaspekten ab.
Wer eher kurzfristig orientiert ist und auch ggf. bereits mit Aktien oder anderen Finanzprodukten tradet, ist Options-Trading eine interessante Möglichkeit, mit geringerem Kapitaleinsatz hohe Renditen zu erzielen. Voraussetzung ist eine erprobte Trading-Strategie und stahlharte Disziplin.
Für Buy & Hold Aktienanleger, die ohne zusätzliches Risiko regelmäßiges Einkommen aus Optionen erzielen wollen, bieten sich Cashflow-orientierte Stillhalterstrategien wie Cashflow mit Optionen an. Im nächsten Beitrag geht es darum, wie man als Stillhalter Chancen nutzt und Risiken kontrolliert.
ACHTUNG: sämtliche Inhalte dieser Seite stellen keine Anlageberatung oder -empfehlung dar. Das Handeln mit Aktien und Optionen ist mit erheblichen Risiken behaftet. Mehr dazu hier.
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Fußnoten:
1. CME Exercised/Expired Recap For Expired Contract Report (optiongenius.com)
Wissen
Lerne gezielt und ohne Umschweife, was du über Optionen wissen musst, um als Stillhalter erfolgreich zu sein.
- Ziele: Finde heraus, ob und wie auch du als Cashflow-Stillhalter deine persönlichen Finanzziele erreichen kannst.
- Strategie: Erfahre Schritt für Schritt, wie du als Stillhalter bei kontrolliertem Risiko hohe Renditen erzielen kannst.
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